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100 Jahre Familientradition


Die Geschichte der Bäckerei Möhring

Der Bäckermeister Wilhelm Saran, Urgroßvater des heutigen Geschäftsinhabers Ingo Möhring, hat am 1. November 1908 das Geschäft in Neue-Schleuse, dem heutigen Rathenow-West, gegründet. In dem damals noch sehr dünn besiedelten Ort eröffnete er eine Keks-, Zwieback- und Honigkuchenfabrikation.

Bäckerei Möhring
Wilhelm Sarans Bäckerei um 1920

Seine Meisterprüfung legte er am 2. Juli 1908 in Köln ab. Dort hatte er einige Jahre gearbeitet und sich spezielle Erfahrungen in der Dauerbackwarenherstellung angeeignet. Zur Weihnachtszeit beschäftigte Wilhelm Saran 22 Packerinnen, welche dafür sorgten, daß die hergestellten Kekse und Honigkuchen transportfähig und hübsch verpackt wurden.

Während des ersten Weltkrieges von 1914-1918 waren die Lebensmittel äußerst rar und die Keksproduktion mußte zwangsläufig eingestellt werden. Nur die Brotproduktion konnte aufrecht erhalten werden, da hier Hilfs- und Ersatzstoffe, wie Kohlrüben und Kartoffeln, zum Einsatz kamen. Durch eigene Hühnerzucht und Obstanbau ging es dann mit der Produktion bald wieder aufwärts.

Spekulatius und Honigkuchen waren sehr gefragte Artikel. Die Geschäftspartner von Wilhelm Saran waren unter anderem die Firmen Strehlow, Knütter und Gammert. Den Transport der Waren übernahmen die Fuhrunternehmen Bleis und Stock, wie damals üblich natürlich mit Pferdefuhrwerken und Handwagen.

Die Kriegsjahre

In den Kriegsjahren des zweiten Weltkrieges bis 1945 wurden neben der üblichen Backware hauptsächlich Lebkuchen hergestellt. (Die Bezeichnung „Honigkuchen" darf nur bei Verwendung von reinem Bienenhonig angewendet werden.) Die Beschaffung der Zutaten erwies sich als recht schwierig, und auch der Absatz war nur mäßig, da Lebensmittel nur über Lebensmittelkarten verkauft werden durften.

Tanzcafe in Rathenow
Blick in das Rathenower Tanzcafè

Nachdem Wilhelm Saran im September 1944 verstarb, übernahm seine Frau Margarete Saran, geborene Heinzdorff, mit ihrer Tochter Elise Saran, das Geschäft. Außerdem war noch ein französischer Zivilarbeiter, Pierre Remondet, dort beschäftigt. Dieser aus Besancon stammende Franzose hatte bereits schon für Wilhelm Saran als Bäcker gearbeitet, so wie er es in seiner Heimat gelernt hatte.

Er durfte als Zivilfranzose außerhalb des Gefangenenlagers wohnen und hatte im Hause Saran ein sogenanntes Gesellenzimmer. Dieser Franzose Pierre und noch ein anderer, George, welcher in der Fleischerei Steimker arbeitete, flüchteten mit dem Fahrrad für kurze Zeit in Richtung Elbe, kurz bevor der Krieg zu Ende war. Sie hatten Angst vor den Russen. Unterwegs hörten sie von der schweren Zerstörung Rathenows. Sie kamen zurück, wollten „Madame und Kinder helfen".

Der „Volkssturm" hatte hier in der Bäckerei Sauerteig angemacht, um Brot zu backen. Durch den schweren Angriff kamen sie jedoch nicht mehr dazu. Beherzt nutzten die beiden Frauen Margarete und Elise die Möglichkeit und buken mit Pierre eine sehr große Menge Brot, die sie dann kostenlos an die Bevölkerung verteilten. Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges im Mai 1945 haben Soldaten der Roten Armee hier gebacken.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Mathias Platzeck und Ingo Möhring Ingo Möhring und Ministerpräsident Matthias Platzeck auf der Grünen Woche in Berlin ( v.r.)

Am 1. März 1948 wurde die Bäckerei an Bäckermeister Karl Kressin verpachtet. Er kam mit seiner Frau und 6 schulpflichtigen Kindern aus Alten-Treptow. Drei Jahre später pachtete die HO dieRäumlichkeiten. Vom 1. April 1955 bis zum 31. August 1959 war Arthur Stein aus Rübehorst Pächter der Bäckerei.

Am 1. September 1959 übernahm Bäckermeister Hans-Joachim Möhring, der Sohn von Elise Möhring, geb. Saran, mit seiner Frau Rosa die Bäckerei. Damit war die Produktion wieder in Familienbesitz, und das Geschäft wurde zu einer der bekanntesten und beliebtesten Bäckereien in Rathenow. Das beliebte „Tanzcafè" ,aber auch die „Milchbar" und das „Hotel der Optik" wurden mehrmals in der Woche mit Torten beliefert.

Nach 35 Jahren, am 1. Januar 1995, übergab Hans-Joachim Möhring aus gesundheitlichen Gründen sein Geschäft an seinen Sohn Ingo Möhring, der 1992 die Bäckermeisterprüfung und danach 1996 die Konditormeisterprüfung abgelegt hatte. In den letzten Jahren baute Ingo Möhring das Unternehmen weiter aus. 

Zwei weitere Läden, ein Verkaufsmobil und Belieferungen vom Wohn- und Pflegeheim Rathenow, den Behinderten-Werkstätten sowie vielen kleinen gastronomischen Einrichtungen und Hotels gehören zum täglichen Geschäft.
Quelle: Rathenower Heimatkalender 2008, Seite 96 uff. ,
Text: von Ingo Möhring, Fotos: Ingo Möhring (2), wodtke-media (1)

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